Infos Reanimationsmarathon 2026
Schüler werden zu Lebensrettern
Die KHO bringt Bewegung in den Unterricht und bietet anhaltende Unterstützung des Wiederbelebungsunterrichts an Schulen Leben retten will gelernt sein – am besten schon in der Schule.
Seit 15 Jahren engagiert sich Prof. Rahe-Meyer, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Franziskus Hospital Bielefeld, für Reanimationsunterricht an Schulen und arbeitet dabei eng mit dem Schulministerium Nordrhein-Westfalens zusammen. Sein Ziel: Wiederbelebungskompetenz soll fester Bestandteil des Unterrichts an weiterführenden Schulen werden.
Gemeinsam mit der Universität Bielefeld entstand dafür umfangreiches didaktisches Material, das Lehrkräfte beim Vermitteln von Reanimationswissen unterstützt.
Nun ist der Durchbruch gelungen: Ab August wird Wiederbelebungsunterricht in NRW verpflichtend eingeführt.
„Die frühzeitige Ausbildung junger Menschen in der Laienreanimation ist aus medizinischer Sicht von unschätzbarem Wert“, betont Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Niels Rahe-Meyer. „Wenn Schülerinnen und Schüler lernen, ohne Zögern eine Herzdruckmassage zu beginnen, steigen die Überlebenschancen im Ernstfall erheblich. Dieses Wissen kann im Alltag tatsächlich Leben retten.“
Zur Umsetzung der neuen Vorgaben schulen Experten der KHO im Rahmen von sogenannten ‚‚Teach-the-Teacher‘‘- Fortbildungen Lehrkräfte aus der Region. „Unser Angebot wird von den Schulen dankend angenommen: In unserem Simulationszentrum können unter realistischen Bedingungen Notfallsituationen nachgestellt werden“, ergänzt Kai Bonberg, Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin im Elisabeth Hospital. An den Standorten Bielefeld und Gütersloh wird praxisnahes Wissen zur Laienreanimation vermittelt. Dabei werden die Lehrkräfte geschult, wie sie die Inhalte altersgerecht und motivierend an Schüler weitergeben. Vor Kurzem sind alle Kooperationspartner des Ministeriums für Schule und Bildung in Düsseldorf zusammengekommen, haben die neuen Strukturen besprochen und das gemeinsames Ziel der flächendeckenden Ausbildung in Laienreanimation definiert.
Weitere Infos
Informieren Sie sich auf unserer Homepage: www.staying-alive.de
Weiterführende Schulen können sich bei Interesse an einem Fortbildungstermin an das Sekretariat der Anästhesie wenden:
In Bielefeld unter Telefon: 0521/589-1601und in Gütersloh unter Telefon: 05241/507-7510
Weltrekordprojekt einer starken Allianz aus Medizin und Rettungsdienst
Vom 21. bis 27. September 2026 im Franziskus Hospital Bielefeld über 7 Tage und 7 Nächte
Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen weiterhin die häufigste Todesursache in Deutschland dar. Jährlich entfallen etwa 33–35 % aller Todesfälle auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, was einer absoluten Zahl von rund 350.000–360.000 Todesfällen pro Jahr entspricht.
Der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand nimmt hierbei eine besondere Stellung ein: Er ist die einzige häufige Todesursache, bei der durch sofortige Maßnahmen eine vollständige Wiederherstellung der Vitalfunktionen möglich ist. Entscheidend ist dabei der Zeitfaktor. Bereits nach 3–5 Minuten ohne ausreichende zerebrale Perfusion beginnen irreversible hypoxische Hirnschäden. Entsprechend sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute ohne Reanimation um etwa 10 %.
Der Rettungsdienst benötigt in Deutschland im Durchschnitt 8–10 Minuten bis zum Eintreffen am Notfallort. Damit entsteht eine kritische Versorgungslücke, die maßgeblich durch anwesende Laien überbrückt werden muss.
Internationale Vergleiche zeigen deutlich, dass hohe Überlebensraten eng mit einer früh einsetzenden Laienreanimation verknüpft sind. In Ländern wie den Niederlanden oder skandinavischen Staaten liegt die Laienreanimationsquote bei über 70–80 %, was sich direkt in signifikant besseren Überlebensraten widerspiegelt.
In Deutschland lag die Quote der durch Laien begonnenen Wiederbelebungsmaßnahmen im Jahr 2011 noch bei lediglich 17 %. In den vergangenen Jahren konnte dieser Wert durch gezielte Maßnahmen deutlich gesteigert werden und liegt inzwischen bei etwa 50–55 %.
Diese Entwicklung ist insbesondere auf breit angelegte Initiativen medizinischer Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, zurückzuführen. Ein zentraler Ansatz war die konsequente Vereinfachung der Wiederbelebungsmaßnahmen nach dem Prinzip „Prüfen – Rufen – Drücken“, wodurch die Durchführung auch für medizinische Laien niedrigschwellig und sicher erlernbar wurde. Gleichzeitig wurde ein Multiplikatorenansatz etabliert, bei dem geschulte Personen ihr Wissen aktiv weitergeben.
Um langfristig eine flächendeckend hohe Reanimationskompetenz in der Bevölkerung zu erreichen, gilt die Vermittlung bereits im Schulalter als entscheidender Hebel. Vor diesem Hintergrund haben sich vor etwa 15 Jahren mehrere anästhesiologische Kliniken in Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen, um systematisch Wiederbelebungsunterricht an Schulen zu implementieren. Für den Regierungsbezirk Detmold wurde dieses Engagement maßgeblich durch Niels Rahe-Meyer vom Franziskus Hospital Bielefeld getragen.
In enger Zusammenarbeit mit dem Schulministerium sowie den zuständigen Bezirksregierungen wurde die Machbarkeit im Rahmen eines Modellprojekts wissenschaftlich und organisatorisch geprüft. Die Ergebnisse zeigten eine hohe Umsetzbarkeit und nachhaltige Effekte, sodass daraus ein verbindlicher Erlass hervorging:
Ab dem Schuljahr 2026/27 wird Wiederbelebungsunterricht verpflichtender Bestandteil des Curriculums für weiterführende Schulen in Nordrhein-Westfalen
Die Umsetzung dieses Erlasses erfolgt interdisziplinär und wird durch zahlreiche Partner unterstützt, darunter Stiftungen, Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und medizinische Einrichtungen.
Zur Sichtbarmachung dieses Meilensteins und zur weiteren Förderung der Reanimationskompetenz in der Bevölkerung wird im Rahmen der Woche der Wiederbelebung vom 21. bis 27. September 2026 im Franziskus Hospital Bielefeld ein durchgehender Reanimationsmarathon durchgeführt.
Über 7 Tage und 7 Nächte hinweg wird kontinuierlich an Trainingsmodellen reanimiert – mit dem Ziel eines Weltrekords.
Schulklassen sind aktiv eingeladen, an diesem Projekt teilzunehmen. Sie erhalten vor Ort eine strukturierte Einführung in die Wiederbelebung und werden gleichzeitig Teil des Weltrekordversuchs.
Der Reanimationsmarathon wird von einer breiten interinstitutionellen Allianz getragen. Beteiligt sind zahlreiche Krankenhäuser, Rettungsdienste, Hilfsorganisationen, Bildungseinrichtungen, sowie weitere Partner aus dem Gesundheits- und Bildungswesen aus Bielefeld und Ostwestfalen Lippe. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht eine qualitativ hochwertige, standardisierte Vermittlung von Wiederbelebungskompetenz und es entsteht ein nachhaltiges Netzwerk, das über das Projekt hinaus zur langfristigen Stärkung der Laienreanimation beiträgt.





