Strahlentherapie und Radioonkologie

Die Strahlentherapie und Radioonkologie beschäftigen sich mit der Diagnostik von Krebserkrankungen und ihrer Therapie durch den Einsatz von Strahlen. Viele Menschen werden durch eine gezielte Bestrahlung wieder gesund oder zumindest von ihren Beschwerden befreit.

Jedoch wissen wir auch um die Ängste, die eine solche Behandlung auslöst. Diesen begegnen wir mit intensiven Aufklärungsgesprächen: Die Ärzte, aber auch die weiteren speziell geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren Sie gern. Zudem bieten wir ihnen auch schriftliches Informationsmaterial, damit Sie alles Wesentliche noch einmal nachlesen können.

Die Räume der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie liegen im ersten und zweiten Untergeschoss unseres Hauses.

Kontakt

Chefarzt Prof. Dr. Oliver Micke

Anmeldung und Information

Sekretariat der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
Tel.: 0521 589-1801
Fax: 0521 589-1804
oliver.micke@franziskus.de

Besonders wichtig ist uns, dass Sie wissen, dass Menschen Ihre Strahlentherapie durchführen. Die dazu notwendigen technischen Maschinen und Geräte sind lediglich die Instrumente, mit denen die Strahlen erzeugt und kontrolliert gegen den Krebs eingesetzt werden. Unsere Ärzte und medizinisch-technischen Assistentinnen und Assistenten (MTAR) stehen Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

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Modernster Stand der Technik

Unsere Klinik hat mit der rasanten Entwicklung in Medizin und Technik Schritt gehalten: Für die Behandlung oberflächlicher und tief liegender Tumore setzen wir einen Linearbeschleuniger neuester Bauart (ELEKTA Synergy, Baujahr 2014) ein. Mit diesem Gerät können wir sämtliche Erkrankungen der Kopf- und Halsregion, des Brustraumes und der Brustwand, des Bauchraumes und des Beckens sowie an Extremitäten bestrahlen. Zugleich wird das empfindliche umliegende Gewebe weitestgehend geschont. Während der Behandlung wird mittels IGRT-Verfahren (Image Guided Radio Therapy) die Lagerung des Patienten kontrolliert und kann, falls nötig, jederzeit korrigiert werden.

Bestrahlungsverfahren und -techniken

Mit einem Computertomographen (CT) legen wir die zu bestrahlenden Bereiche fest. Eine hochmoderne Computeranlage unterstützt uns zudem bei der dreidimensionalen Bestrahlungsplanung und der Berechnung der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT/VMAT). Die zu diesem Zweck angefertigte 64-Zeilen-Computertomogramme in Bestrahlungsposition helfen bei der punktgenauen Fixierung des Bestrahlungsfeldes. Arzt, medizinisch-technische Assistenz (MTAR) und Physiker arbeiten hierbei eng zusammen, um für Sie das Optimum zu erreichen: Sie erfahren ein Höchstmaß an Sicherheit.

3D-konformale Strahlentherapie

Die dreidimensional geplante Strahlentherapie ist seit Jahren etabliert. Um die Verteilung der Strahlen im Körper des Patienten optimal berechnen zu können, wird für jeden Patienten vor Beginn der Bestrahlungsserie eine Computertomographie durchgeführt, ein bildgebendes Verfahren, bei dem Querschnitte des Patientenkörpers dargestellt werden können. Der Strahlentherapeut definiert und auf diesen Schichtaufnahmen sowohl die Zielgebiete – wie zum Beispiel die Tumorregion – als auch das umgebende gesunde Gewebe, welches möglichst geschont werden soll, und rekonstruiert diese dreidimensional. Ein Medizinphysik-Experte errechnet dann mithilfe einer komplexen Planungssoftware die optimale Ausrichtung und Begrenzung der einzelnen Bestrahlungsfelder. Durch die Anwendung mehrerer Bestrahlungsfelder aus verschiedenen Einstrahlrichtungen während einer Sitzung wird das Zielgebiet „ins Kreuzfeuer genommen“, sodass das umgebende Gewebe nur mit geringen Bestrahlungsdosen belastet und somit geschont wird. Bei dieser Technik kann in jeder Schicht und jeder Ebene des Körpers die Erfassung des Zielgebietes und die Schonung des umgebenden gesunden Gewebes exakt nachvollzogen und realisiert werden.

 

Brachytherapie/Bestrahlung im Nachladeverfahren (Afterloading)

Die Brachytherapie (brachys – griechisch für kurz, nah) bezeichnet eine Form der Strahlentherapie, bei der eine radioaktive Quelle in der unmittelbaren Umgebung des Tumors platziert wird. Meistens wird Iridium 192 verwendet, mit dem sich in der Nähe der Bestrahlungsquelle eine hohe Dosis geben lässt. Da die Bestrahlungsintensität aber mit zunehmendem Abstand zur Quelle stark abnimmt, lässt sich das umliegende gesunde Gewebe gut schonen. Die Brachytherapie hat zum Beispiel bei der Behandlung gynäkologischer Tumore (Gebärmutterhalskrebs bzw. Gebärmutterkarzinom), bei bestimmten Formen des Lungenkrebses und beim Prostatakrebs einen großen Stellenwert. Die radioakive Quelle wird ferngesteuert an die richtige Position gefahren, die vorher durch eine Sonde festgelegt wird, bezeichnet man diese „Strahlentherapie von innen“ auch als Afterloading-Therapie (Nachladeverfahren).

 

IGRT

Die „image guided radio therapy“ (IGRT) oder auch bildgeführte Strahlentherapie erlaubt mit einer „Online“-Bildgebung die Position des Zielvolumens direkt vor einer Bestrahlungsfraktion zu bestimmen. Wenn nötig, kann bei Lageänderung die Bestrahlungsposition unmittelbar geändert werden.

IMRT

Die Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) ist eine moderne Bestrahlungstechnik. Sie ermöglicht auch bei komplexen Zielvolumina eine exakte Anpassung der Dosisverteilung an das Zielvolumen und die zu schonenden Organe.

VMAT

Die IMRT- (engl. intensity modulated radiotherapy) und VMAT-Bestrahlungstechniken (engl. volumetric modulated arc therapy/modulierte Rotations-Strahlentherapie) ermöglichen in der perkutanen Strahlentherapie eine gezieltere Behandlung des Tumors und die besondere Schonung von gesundem Gewebe.

DIBH

DIBH (Deep Inspiration Breath Hold) ist eine Methode zur Abgabe einer Strahlentherapie bei gleichzeitiger Begrenzung der Strahlenbelastung von Herz und Lunge. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von linksseitigem Brustkrebs eingesetzt. Bei dieser Technik hält der Patient während der Behandlung die Luft an.

Eine Besonderheit ist das Catalyst™-System: ein hochmodernes optisches Überwachungssystem, dass die korrekte Patientenposition in Echt-Zeit während der gesamten Bestrahlung kontrolliert. Dieses System wird auch für die Bestrahlung unter der „DIBH“-Methode genutzt.
Als erstes Zentrum in NRW haben wir zudem ein neues System (Sagittilt der Firma Orfit) eingeführt, das die Bestrahlung von Brustkrebs-Patientinnen in Bauchlage ermöglicht. Damit Sie sich vorstellen können, wie das aussieht, finden Sie hier ein Video dazu.

Behandlungsspektrum

Tumor-Erkrankungen

Wir behandeln Tumorerkrankungen, die einer alleinigen Bestrahlungsbehandlung oder einer kombinierten Radiochemotherapie bedürfen, sowohl kurativ (mit dem Ziel der Heilung) als auch palliativ (beschwerdelindernd):

  • Brustkrebs (Mammakarzinom)
  • Prostatakarzinom (Krebs der Vorsteherdrüse)
  • Lungentumore (Bronchialkarzinom und Pleuramesotheliom)
  • Hirntumore (Glioblastom, Astrozytom, Akustikusneurinom und Meningeom)
  • Metastasen (Hirn-, Knochen-, Lymphknoten-, Lungen-, Leber- und Hautmetastasen)
  • Gastrointestinale Tumore (Ösophagus-, Magen-, Rektum- und Analkarzinom)
  • Tumore des Harntraktes und der Geschlechtsorgane (Blasen-, Zervix-, Corpus-, Vulva- und Vaginalkarzinom)
  • Hauttumore (Basaliom, Spinaliom, Merkelzellkarzinom und Melanom)
  • Kopf-Hals-Tumore (Naso-, Oro-, Hypopharynx und Larynxkarzinom)
  • Lymphome, Plasmozytom, Morbus Hodgin, Non-Hodgin-Lymphome 
  • Sarkome

Gutartige Erkrankungen

Auch gutartige Beschwerden der Sehnen und Gelenke, können bei uns in der Strahlentherapie behandelt werden, dafür benutzen wir u.a. ein Orthovolt Bestrahlungsgerät:

  • Verschleißerkrankungen aller Gelenke (Arthrose)
  • Schleimbeutel- und Sehnenentzündungen (Bursitis und Tendinitis)
  • Sehnenansatzerkrankungen (Insertionstendinopathien wie Golf- oder Tennisellenbogen)
  • Achillessehnenschmerzen (Achillodynie)
  • Fersensporn
  • Bindegewebserkrankungen, zum Beispiel an Hand Fuß (Morbus Dupuytren, Morbus Ledderhose)
  • Erkrankungen der Augenhöhle (endokrine Orbitopathie)
  • Brustdrüsenvergrößerung beim Mann (Gynäkomastie)
  • Narbenwucherungen (Narbenkeloid)

Behandlungsablauf

Damit Sie mit einem sicheren Gefühl in die Behandlung starten, informieren wir Sie hier vorab, wie Ihre Behandlung bei uns abläuft. 

Aufklärungsgespräch

Ihre Behandlung in unserer radio-onkologischen Praxis im Franziskus Hospital beginnt mit einem ausführlichen Beratungsgespräch. Sie lernen Ihren behandelnden Arzt kennen und erfahren alles über die Behandlungsziele, den Ablauf der Therapie sowie mögliche Nebenwirkungen. Bei dieser Neuvorstellung können Sie im persönlichen Gespräch offene Fragen klären. Am Ende des Aufklärungsgespräches bekommen Sie eine Kopie des Aufklärungsbogens.  

Damit wir Sie richtig beraten können, bringen Sie zu diesem Termin bitte die Ihnen vorliegenden Dokumente über Ihre bis zu diesem Tag erfolgte Behandlung und Diagnostik mit. Das sind beispielsweise Arztbriefe, diagnostische Befunde, Röntgen/CT/MRT-Bilder, eine Medikamentenliste und Ihre Krankenkassen-Karte. Am Ende des Gesprächs werden wir mit Ihnen Termine für die Bestrahlungsplanung erörtern.

Genaue Planung dank Computertomographie

Mit einer Planungs-Computertomographie (Planungs-CT) stimmen wir Ihre Behandlung auf Ihre individuelle Situation ab. Bei Ihrem zweiten Termin in unserem Krankenhaus führen wir dieses Planungs-CT in der Röntgenabteilung durch. Die CT-Bilder werden für eine computergestützte Bestrahlungsplanung verwendet. Dies ermöglicht die individuelle Planung und Berechnung der Dosis für Ihre Behandlung.

Die Untersuchung wird in der gleichen Lagerungsposition wie später die Bestrahlung durchgeführt. Für diese Untersuchung ist die Verabreichung von Kontrastmittel nicht nötig. Es erfolgt die Hautmarkierung (Hautmarker) bzw. Maskenmarkierung eines Bezugspunktes für die Bestrahlungsplanung. Diese Markierung ist zur exakten Durchführung der Bestrahlung unbedingt notwendig und dürfen nicht entfernt werden.

Sie erhalten den Termin für die Ersteinstellung: Das ist Ihre erste Bestrahlung. Diese findet im zweiten Untergeschoss (UG) in der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Franziskus Hospitals statt. Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

Erstellung des Bestrahlungsplans

Durch die Erstellung des Planungs-CTs ist die Grundlage für die weitere Bestrahlungsplanung gelegt. Der Radioonkologe nutzt diese Bilder und definiert das Bestrahlungsvolumen und die zu schonenden Organe. Die vom Patienten erbrachten Befunde und Voraufnahmen werden dabei berücksichtigt. Auf dieser Basis berechnet der Medizin-Physik-Experte (MPE) mit einem modernen Bestrahlungsplanungsprogramm (Raysearch) die günstigste Anordnung und Gewichtung der zu bestrahlenden Felder.

Das Bestrahlungsplanungsprogramm erstellt aus allen errechneten Daten ein farbiges, dreidimensionales Diagramm in dem alle Bestrahlungsfelder, Dosisverteilungen und zu schonende Organe angezeigt werden. Bevor der Bestrahlungsplan vom Radioonkologen freigegeben und die Bestrahlung begonnen werden kann, werden in einer Teamsitzung alle Details nochmals mit dem MPE besprochen und, wenn nötig, Änderungen vorgenommen. Erst, wenn alle Details geklärt sind, wird der Bestrahlungsplan vom Arzt freigegeben.

Neueinstellung

Zu dieser ersten Bestrahlungssitzung sind immer Ihr betreuender Radioonkologe und die medizinisch-technische Radiologie-Assistenz (MTRA) anwesend. Die Lagerung erfolgt analog zum Planungs-CT und wird anhand der Körpermarkierung vorgenommen. Vor der ersten Bestrahlung wird eine erneute Überprüfung der exakten Lagerung durch unser X-ray volume imaging (XVI) durchgeführt.

Für weitere Aufnahmen nutzen wir unter anderem den Therapiestrahl (IView). Wenn alle Parameter übereinstimmen und vom Radioonkologen freigegeben wurden, werden Sie zum ersten Mal am Linearbeschleuniger bestrahlt. Danach bekommen Sie von uns für den Rest der Woche die weiteren Bestrahlungstermine.

Die tägliche Bestrahlung

Die tägliche Bestrahlungssitzung dauert nur wenige Minuten. Die Behandlung findet in den meisten Fällen an den fünf Arbeitstagen der Woche statt. Die erforderliche Dosis und damit die Dauer der Behandlung hängen von der Art der Erkrankung ab. Die Termine für die einzelnen Sitzungen stimmen Sie mit unseren MTRA ab. Termine werden für eine Woche im Voraus vergeben. Wir möchten Sie bitten, besondere Terminwünsche spätestens bis zum Donnerstag der Vorwoche anzugeben.

Am Behandlungstag bitten wir Sie, einfach in unserem Wartezimmer Platz zu nehmen. Der Raum wird per Kamera überwacht und wir wissen, wenn Sie da sind. Bei Fragen oder Problemen können Sie sich jederzeit an die MTRA wenden. Während der Behandlung werden in regelmäßigen Abständen Kontrollaufnahmen der Lagerung vorgenommen. Diese überprüft der Arzt und gegebenenfalls wird die Lagerung korrigiert. Am Tag der letzten Bestrahlung findet ein Abschlussgespräch mit Ihrem Radioonkologen statt.

Abschlussgespräch

Ein Gespräch mit dem Radioonkologen schließt Ihre strahlentherapeutische Behandlung ab. Dabei haben Sie die Gelegenheit, mit Ihrem behandelnden Arzt alle offenen Fragen zu klären. Der Arzt bespricht mit Ihnen das weitere Vorgehen und nimmt eine strahlentherapeutische Abschlussuntersuchung vor. Sie bekommen an diesem Tag auch Informationen über die Nachsorge.

Nachsorge

Wir sind sehr am Therapieverlauf unserer Patientinnen und Patienten interessiert. Beim Nachsorgetermin bespricht der Arzt mit Ihnen den bisherigen Ablauf sowie das weitere Vorgehen. Diesen Termin können Sie mit unserem Büro vereinbaren. Wir bitten Sie, diesen Termin wahrzunehmen, nicht zuletzt, um die Therapie gesichert abzuschließen.

Unsere technische Ausstattung

1 Linearbeschleuniger: Synergy FA Elekta mit Multileafkollimator und Conebeam-CT, 6-10 MV Photonen, 6-15 MeV Elektronen-Stufen
CATALYST: Kamerasystem zur Lagerungskontrolle und Positionierung
1 Orthovolt- Bestrahlungsgerät: Stabilipan  
1 Brachytherapie: 24 Kanäle, Firma Varian, Modell: GammaMed+ IX
1 Planungsrechner: RAYSEARCH